Newsletter

Druckindustrie Baden-Württemberg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mit dem ver.di-Newsletter Druckindustrie Baden-Württemberg wollen Euch aus gewerkschaftlicher Sicht über aktuelle Themen kurz informieren. Neben Nachrichten aus den Betrieben der baden-württembergischen Druckindustrie wird dabei vor allem das Tarifgeschehen eine Rolle spielen – also Meldungen zu Lohnforderungen, zum Manteltarifvertrag, aber auch zu den Arbeitsbedingungen in OT-Betrieben. Der Newsletter wird mindestens einmal im Vierteljahr erscheinen. Ihr könnt ihn gerne an andere Kolleginnen und Kollegen in Eurem Betrieb weiter leiten. Bestellungen des Newsletters sind unter der E-Mail-Adresse fb08.bawue@verdi.de möglich.

Nr 3 – 22. Mai 2021

MANTELTARIFVERTRAG – NOCH 343 TAGE

Noch genau 343 Tage sind es bis zum 30. April 2022. So lange läuft der Manteltarifvertrag der gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie und die Manteltarifverträge für die Angestellten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage noch. Mit dem Corona-Tarifvertrag konnte diese Laufzeit erreicht werden, die ein Jahr länger ist, als mit dem Lohntarif-Abschluss von 2019 vereinbart. Diese Verlängerung der tariflichen Absicherung von Arbeitszeit, Zuschlägen, Urlaub und vielen anderen Arbeitsbedingungen ist ein Erfolg der ver.di-Mitglieder. Dieser Erfolg kann nur verteidigt werden, wenn die Beschäftigten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage durch ihre ver.di-Mitgliedschaft den Arbeitgebern zeigen, dass sie bereit sind, ihre Tarifrechte auch zu verteidigen. Noch 343 Tage besteht für Nichtmitglieder die Möglichkeit, der Solidargemeinschaft der Gewerkschaftsmitglieder beizutreten und sich so die Rechte des Manteltarifvertrages auch über den 30. April hinaus zu sichern – und für den Fall, dass der Arbeitgeber Tarifflucht begeht. https://mitgliedwerden.verdi.de .

Mit dem Tarifabschluss am 03. Mai 2019 ist der Manteltarifvertrag (MTV) der Druckindustrie bis zum 30. April 2021 wieder unverändert in Kraft gesetzt worden. Mit dem Tarifabschluss vom 18. Mai 2020 wurde der MTV Druckindustrie um ein Jahr bis zum 30. April 2022 verlängert. Die Tarifabschlüsse beinhalten, dass während der Laufzeit ergebnisoffen Verhandlungen zum Manteltarifvertrag zwischen ver.di und dem bvdm geführt werden. Der ursprünglich für November geplante Verhandlungstermin konnte Corona-bedingt nicht stattfinden, ob der Dezember-Verhandlungstermin stattfinden wird, ist derzeit unklar.

VERHANDLUNGEN ÜBER MANTELTARIF ERGEBNISLOS

Die wegen der Corona-Pandemie seit September 2020 unterbrochenen Verhandlungen zum Manteltarifvertrag zwischen ver.di und dem bvdm wurden am 18. und 19. Mai 2021 wieder aufgenommen. Zur Erinnerung: Im September 2020 hatte ver.di Eckpunkte für einen neuen Manteltarifvertrag vorgelegt. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem die Allgemeinverbindlichkeit tariflicher Regelungen und Regelungen zu den Themen Altersteilzeit, Altersvorsorge sowie Altersfreischichten.

In der fünften Verhandlungsrunde wurde über diese Forderungen intensiv und kontrovers diskutiert. Für den bvdm sind sämtliche Themen an „Kostenneutralität“ gekoppelt. Eine Neuregelung, die zu „Höherbelastungen“ für die Betriebe führe, sei aus Sicht der Arbeitgeberseite nicht akzeptabel und demnach abzulehnen. Die Unternehmen bräuchten Entlastungen und mehr Flexibilität. Ziel von ver.di ist es, die mittel- und langfristig negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Beschäftigten abzufedern. Als ein Instrument bietet sich dafür an: Älteren Beschäftigten einen finanziell abgesicherten Ausstieg aus der Schicht- und Erwerbsarbeit ermöglichen und damit auch jungen Fach-kräften gute Beschäftigungsperspektiven geben zu können.

ver.di und der bvdm werden den bisherigen Verlauf und den weiteren Fortgang der Gespräche nun in ihren jeweiligen Gremien besprechen. Die Verhandlungen werden am 30./31. August 2021 in Berlin fortgesetzt.

WECHSEL IN BERLIN – RACHEL MARQUARDT NEUE BEREICHSLEITERIN

Die Tarifverhandlungen in der Druckindustrie führt auf ver.di-Seite jetzt Rachel Marquardt. Die 41-jährige Juristin ist neue Leiterin des Bereichs „Tarife, Industrie, Verlage, Druck, Papier“ beim ver.di-Bundesvorstand. Die bisher in diesem Bereich als Fachsekretärin für die Verlagsbranche tätige Kollegin folgt in dieser Funktion Andreas Fröhlich nach, der jetzt Personalleiter der rund 3000 hauptamtlichen ver.di-Beschäftigten ist. Rachel Marquardt ist jetzt außerdem Leiterin der Bundes-Fachgruppen Verlage, Druck, Papier (VDP) und Industrie und arbeitet in dieser Funktion eng mit den ehrenamtlichen Bundesfachgruppenvorständen zusammen. Die beiden Fachgruppen werden sich bis zum Jahresende zusammenschließen zur dann gemeinsamen Bundesfachgruppe Druck, Verlage Papier, Industrie (DVPI).

TARIFERGEBNIS IN DER PAPIERVERARBEITUNG

Begleitet von heftigen Warnstreiks war in diesem Jahr die Tarifrunde in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie. Über mehrere Monate weigerten sich die Arbeitgeber, mit ver.di zu verhandeln, weil die Kolleg*innen der Branche auch an Verhandlungsterminen streikten. Die Warnstreiks fanden wegen der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen statt. So mussten die Streikenden Masken tragen, Abstände einhalten und beim Eintragen in die Streiklisten besondere Hygienebedingungen beachten.

Am Ende wurde dann aber ein akzeptables Tarifergebnis erzielt. In diesem Jahr erhöhen sich die Löhne und Gehälter zwar lediglich um 1,5%, dafür steigen sie im nächsten Jahr aber um 2,4%. Damit setzt sich der Trend fort, dass sich das Lohnniveau dieser Branche immer weiter an die Löhne in der benachbarten Druckindustrie annähert. In Hautarifverträgen bei den baden-württembergischen Unternehmen Sonoco und Ravensburger konnten sogar noch höhere Steigerungen für dieses Jahr vereinbart werden. Dabei hatten die Sonoco-Beschäftigten zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte gestreikt.

BETRIEBSNACHRICHTEN – WARTEN AUF ENTSCHEIDUNG IN STUTTGART UND ESSLINGEN

In diesen Tagen wird die Entscheidung erwartet. Die Inhaber von Deutschlands größtem Regionalzeitungskonzern, der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) wollen entscheiden, wie es mit ihren Druckereien weitergeht. Gespannt auf diese Entscheidung sind vor allem die Kolleg*innen an den Druckerei-Standorten in Stuttgart und Esslingen.

Laut SWMH-Geschäftsführer Dr. Christian Wegner gibt es das Projekt bereits seit 2015: das „Druck-Strategie-Projekt“. „Konkret geht es darum“, so Dr. Wegner, „Antworten auf die Frage zu erhalten, welche Zeitungen 2025 in welchen Druckereien und in welchem Format gedruckt werden“. Oder anders gesagt: zu prüfen, in welcher Konstellation in den kommenden Jahren innerhalb des Teilkonzerns der Medienholding Süd (MHS) Zeitungsdruck betrieben werden soll. Dabei stellt sich in erster Linie die Frage, ob und welche Druckereien innerhalb des Konzerns betrieben werden sollen.

Unklar ist offensichtlich nach wie vor, welche weitere regionalen Zeitungsverlage an diesem „Druck-Strategie-Projekt“ beteiligt sind. Vor Kurzem ließ MHS-HF Herbert Dachs verlauten, dass neben den bisherigen möglichen Partnern Bietigheim, Ludwigsburg und Waiblingen auch Heilbronn und Reutlingen potentielle Partner für eine „Druckgemeinschaft“ wären.

Momentan werden in Gesellschafterkreisen offensichtlich zwei Varianten diskutiert. Zum einen der Bau eines neuen Druckzentrums auf der „grünen Wiese“ im Großraum Stuttgart. Zum anderen der Bau eines neuen Druckzentrums auf einem Grundstück, dass der SWMH schon gehört, also in Esslingen.

Weitere Informationen hierzu gibt es auf http://www.sverdimh.de 

BETRIEBSNACHRICHTEN – ZUSAMMENSCHLUSS IN MITTELBADEN

Zunächst 24% der Anteile an Verlag und Druckerei des „Badischen Tagblatt“ in Baden-Baden haben die „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN Badendruck) übernommen. Mit dem erklärten Ziel, nach Zustimmung durch die Kartellbehörden auch die restlichen Anteile der bisherigen Verlegerin Xenia Richters erwerben zu wollen. Die BNN, die von Verleger und Chefredakteur Klaus Michael Baur geführt werden und einer Familienstiftung gehören haben mit ver.di einen Haustarifvertrag, der bei Löhnen und Gehältern im Niveau ein klein wenig oberhalb der Flächentarifverträge von Druckindustrie, Zeitungsverlagen und Tageszeitungsredakteur*innen liegt. Das „Badische Tagblatt“, das in den letzten Jahren sowohl in eine neue Druckerei als auch in ein neues Verlagshaus investiert hat, ist nicht tarifgebunden.

BEGRENZUNG SACHGRUNDLOSER BEFRISTUNGEN – VER.DI BEGRÜSST GESETZENTWURF – DRUCK-ARBEITGEBER ABLEHNEND

Ver.di begrüßt den Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums zur Begrenzung von sachgrundlosen Befristungen. „Sachgrundlose Befristungen und Kettenarbeitsverträge machen Beschäftigte erpressbar und nehmen ihnen in unsicheren Zeiten Sicherheit und Perspektive“, sagt der Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bringt damit eines der zentralen arbeitsmarktpolitischen Projekte auf den Weg. Auf Unverständnis stößt der Gesetzentwurf beim Bundesverband Druck und Medien (bvdm). Laut bvdm hinterlasse die Einschränkung der Möglichkeit zur sachgrundlosen Befristung „bei den um ihre Existenz ringenden Betrieben der Druck- und Medienindustrie nur noch Kopfschütteln“. Es stößt auf Unverständnis, „wenn zu den zum Teil nicht ausgegorenen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung auch noch ideologische Steckenpferde einzelner Parteien und Politiker kommen, mit denen die Belastungsfähigkeit der Wirtschaft endgültig überstrapaziert wird“. Denn schließlich seien „befristete Arbeitsplätze besser als gar keine“, so der Hauptgeschäftsführer des bvdm, Dr. Paul Albert Deimel.

Nr. 2 – 17. November 2020

MANTELTARIFVERTRAG – NOCH 529 TAGE

Noch genau 529 Tage sind es bis zum 30. April 2022. So lange läuft der Manteltarifvertrag der gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie und die Manteltarifverträge für die Angestellten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage noch. Mit dem Corona-Tarifvertrag konnte diese Laufzeit erreicht werden, die ein Jahr länger ist, als mit dem Lohntarif-Abschluss von 2019 vereinbart. Diese Verlängerung der tariflichen Absicherung von Arbeitszeit, Zuschlägen, Urlaub und vielen anderen Arbeitsbedingungen ist ein Erfolg der ver.di-Mitglieder. Dieser Erfolg kann nur verteidigt werden, wenn die Beschäftigten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage durch ihre ver.di-Mitgliedschaft den Arbeitgebern zeigen, dass sie bereit sind, ihre Tarifrechte auch zu verteidigen. Noch 530 Tage besteht für Nichtmitglieder die Möglichkeit, der Solidargemeinschaft der Gewerkschaftsmitglieder beizutreten und sich so die Rechte des Manteltarifvertrages auch über den 30. April hinaus zu sichern – und für den Fall, dass der Arbeitgeber Tarifflucht begeht. https://mitgliedwerden.verdi.de .

Mit dem Tarifabschluss am 03. Mai 2019 ist der Manteltarifvertrag (MTV) der Druckindustrie bis zum 30. April 2021 wieder unverändert in Kraft gesetzt worden. Mit dem Tarifabschluss vom 18. Mai 2020 wurde der MTV Druckindustrie um ein Jahr bis zum 30. April 2022 verlängert. Die Tarifabschlüsse beinhalten, dass während der Laufzeit ergebnisoffen Verhandlungen zum Manteltarifvertrag zwischen ver.di und dem bvdm geführt werden. Der ursprünglich für November geplante Verhandlungstermin konnte Corona-bedingt nicht stattfinden, ob der Dezember-Verhandlungstermin stattfinden wird, ist derzeit unklar.

UMFRAGE ALTERSTEILZEIT – ZWISCHENERGEBNIS

Im letzten Gespräch zwischen ver.di und dem Bundesverband Druck und Medien (bvdm) am 01. September 2020 legte ver.di Eckpunkte für den Neuabschluss eines Manteltarifvertrages der Druckindustrie vor. Eine der Forderungen dabei waren auch Regelungen zur Altersteilzeit. Der bvdm lehnt Regelungen zur Altersteilzeit jedoch ab, bzw. fordert dafür materielle Gegenleistungen. Auf der neuen Homepage zur Druckindustrie, die pünktlich zur 2%igen Lohn- und Gehaltserhöhung am 01. September 2020 an den Start gegangen ist, haben wir eine Umfrage zum Thema Altersteilzeit gestartet. Deine Mitarbeit ist nun gefragt: Bitte unterstütze uns und nehme mit deinen Kolleginnen und Kollegen an der Umfrage teil. Wichtig ist uns auch, dass die Beschäftigten mitteilen, in welchem Unternehmen sie arbeiten. Vielleicht gelingt es am Ende ja, zu betrieblichen oder Konzern- Regelungen zu kommen.  Hier geht´s zur Umfrage .

Bislang haben sich 47 Kolleginnen und Kollegen aus 15 Betrieben an der Umfrage beteiligt. Aus den Antworten ergibt sich, dass alle die ver.di-Forderung nach Wiedereinführung einer tariflich geregelten Altersteilzeit unterstützen. Und fast alle Teilnehmer sind auch dafür, dass es einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit für die Beschäftigten geben soll. Immerhin 35 Kolleg*innen unterstützen auch einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit für Schichtarbeiter*innen, während 5 Kolleg*innen dies ablehnen. Aktiv werden für einen Altersteilzeit-Tarifabschluss – notfalls auch mit Streiks – wollen 30 Umfrage-Teilnehmer*innen, während 3 dies ablehnen; 14 machten keine Angabe dazu. Gemischt ist das Umfrage-Zwischenergebnis bei der Frage, ob es Bereitschaft gibt, für eine Altersteilzeit einen finanziellen Beitrag zu leisten. 15 Kolleg*innen sind dazu bereit, 15 lehnen dies ab, 17 sind unentschieden oder haben keine Angabe gemacht. Bis auf einen Umfrage-Teilnehmer sind alle Gewerkschaftsmitglieder.

BETRIEBSNACHRICHTEN – WEITERES DRUCKEREI-STERBEN: MACK UND HENKEL SCHLIESSEN

Die Corona-Pandemie und die Struktur-Krise in der Druckindustrie haben weitere Opfer gefordert: die Bogenoffset-Druckereien Mack in Schönaich (bei Böblingen) und Henkel (Stuttgart-Weilimdorf) machen dicht. Insgesamt sind fast 70 Beschäftigte von den Betriebsschließungen betroffen.

In der Firma Mack hat der Arbeitgeber auf einer Mitarbeiterversammlung Mitte September seinen ca. 40 Beschäftigten verkündet, dass der Betrieb zum 30. April 2021 geschlossen werden soll. Die Kündigungen wurden den Beschäftigten zu Ende September 2020 zugestellt. Da im Unternehmen kein Betriebsrat besteht (zuletzt sind im Jahr 2018 Bemühungen zu einer BR-Wahl gescheitert), konnte auch kein Interessenausgleich/Sozialplan verhandelt werden. Abfindungen als Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes werden daher vermutlich nicht bezahlt. Noch bitterer für die Beschäftigten mutet jedoch die Tatsache an, dass die Beschäftigten seit dem Jahr 2007 einen nicht unerheblichen kollektiven Lohn- und Gehaltsverzicht geleistet haben. Aus Sicht der Beschäftigten waren der Verzicht auf zusätzliches Urlaubsgeld und Jahresleistung, sowie unbezahlte Arbeitszeit und eine 10prozentige Lohnkürzung immer mit der Hoffnung verbunden, die Arbeitsplätze dadurch sicher zu machen.

Die Druckerei Henkel GmbH erlebt das 100jährige Firmenjubiläum im Jahr 2021 nicht mehr. Mitte Oktober wurden die 27 Beschäftigten von der Geschäftsleitung darüber informiert, dass „der Standort in seiner Gesamtheit geschlossen wird“. Die Produktion wird zum 31. Dezember 2020 eingestellt, die Druckmaschinen wurden angeblich bereits verkauft. Die Mietverträge für die Räumlichkeiten des Unternehmens sind entsprechend gekündigt. Die Kündigungen für die Beschäftigten sollen im November 2020 ausgesprochen werden; der Betriebsrat hat die Verhandlungen zu einem Sozialplan aufgenommen. Die Firma Henkel GmbH war seit 2004 OT-Mitglied im Arbeitgeberverband. Die seither bei Neueinstellungen vereinbarten Arbeitsbedingungen (u. a. keine Jahresleistung, kein zusätzliches Urlaubsgeld und 2 Stunden wöchentlich unbezahlte Arbeitszeit) konnten die damit einhergehenden sinkenden Markt-Preise nicht aufhalten. Bleibt die Erkenntnis: Lohndumping führt dauerhaft eben nicht zum Erfolg. 

BETRIEBSNACHRICHTEN – WURZEL-MEDIIENGRUPPE INSOLVENT

Die 2012 gegründete Wurzel-Mediengruppe mit Druck-Standorten in Esslingen und Schwäbisch Hall (Druckereien „Gmähle-Scheel Print-Medien “, „Druckerei Schefenacker“ und „Dr. Cantz’sche Druckerei“) ist seit Anfang November im vorläufigen Insolvenzverfahren. Betroffen davon sind rund 200 Beschäftigte, darunter nur vereinzelte Gewerkschaftsmitglieder. Über Jahre hinweg hatte Heinz Wurzel die Firmengruppe in der Öffentlichkeit und Fachpublikationen als innovativ und modern dargestellt. Sie war sogar  2017 zum „Drucker des Jahres“ nominiert, ein Preis der vom Branchendienst „Druck & Medien“ vergeben wird. Gegenüber den Mitarbeitern aber scheint Wurzel mit harter Hand regiert zu haben. Betriebsräte, die den Beschäftigten in der Insolvenz eine Stimme geben könnten, scheint es dort nicht zu geben. Die einzelnen Unternehmen der Firmengruppe, die alle rechtlich selbstständig sind, druckten unter anderem Kunstkataloge und Medikamenten-Beipackzettel.

TARIFERGEBGNIS – ECKDATEN DES TARIFABSCHLUSSES AUS DEM ÖFFENTLICHEN DIENST

Nur mit einer intensiven Warnstreik-Bewegung konnte im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen ein Tarifabschluss erzielt werden. Dieser Abschluss, zu dem derzeit die betroffenen ver.di-Mitglieder befragt werden, hat folgende Wichtige Regelungen:

600 Euro Corona-Prämie für die unteren Lohngruppen, 400 Euro für mittlere Einkommen und 200 Euro für höhere Gehälter. Die Corona-Prämie wird noch im Dezember ausbezahlt; sie ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Auszubildende erhalten eine Corona-Prämie in Höhe von 225 Euro

1,4 Prozent Lohnerhöhung ab April 2021, mindestens aber 50 Euro. Im April 2022 gibt es eine weitere Erhöhung von 1,8 Prozent. Der Tarifvertrag läuft bis Ende 2022.

Die Wochenarbeitszeit in den neuen Bundesländern wird von derzeit 39,5 Stunden auf das „West-Niveau“ von 38,5 gesenkt. Dies geschieht in den Jahren 2023 bis 2025

Für Pflegekräfte wird eine Pflegezulage eingeführt, die zunächst 50 Euro, später 120 Euro beträgt und mit künftigen Lohnabschlüssen prozentual steigen wird. Die Wechselschichtzulage in den Krankenhäusern wird von 105 auf 155 Euro monatlich angehoben.

Abgewehrt werden konnte der Versuch der Arbeitgeber, die jährliche Sonderzulage für Sparkassen-Beschäftigte abzuschaffen.

Die Streiks in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes mussten unter Corona-Bedingungen organisiert werden. Das bedeutete, dass Kundgebungen nur mit begrenzter Teilnehmerzahl und unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln (Mundschutz) möglich waren. Deshalb wurden viele Aktionen auch betriebsnah durchgeführt.

Nr. 1 – 1. September 2020

2% LOHNERHÖHUNG

In einer langen und harten Tarifauseinandersetzung mit vielen Streiks wurde 2019 ein Tarifabschluss für die Druckindustrie erkämpft. Zu den Erfolgen dieses mit Streiks geführten Tarifkampfes gehört eine echte Reallohnerhöhung – sowohl im letzten Jahr als auch jetzt.

Die Löhne und Gehälter der Druckindustrie sowie die Gehälter der kaufmännischen und technischen Angestellten in Zeitungsverlagen wurden am 1. September 2020 um 2 Prozent erhöht – nachdem diese Erhöhung wegen Corona um drei Monate verschoben worden war. Die Lohn- und Gehaltserhöhung kann um bis zu fünf weitere Monate verschoben werden – also längsten bis zum 1. Februar 2021 – wenn für diese Zeit dem Unternehmen Kündigungen verboten werden. Dies muss in einer Betriebsvereinbarung festgelegt werden zu deren Abschluss der Betriebsrat nicht gezwungen werden kann. Eine weitere Erhöhung der tariflichen Löhne und Gehälter ist für den 1. August 2021 vereinbart. Im Corona-Tarifvertrag festgelegt ist auch, dass der Manteltarifvertrag bis 30. April 2022 verlängert wurde.

Den Streik der Drucker des Pressehauses Stuttgart unterstützten die Redakteure mit einem Solistreik.(Foto: ver.di / Jo Röttgers)

MANTELTARIFVERTRAG – NOCH 606 TAGE

Noch genau 606 Tage sind es bis zum 30. April 2022. So lange läuft der Manteltarifvertrag der gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie und die Manteltarifverträge für die Angestellten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage noch. Mit dem Corona-Tarifvertrag konnte diese Laufzeit erreicht werden, die ein Jahr länger ist, als mit dem Lohntarif-Abschluss von 2019 vereinbart. Diese Verlängerung der tariflichen Absicherung von Arbeitszeit, Zuschlägen, Urlaub und vielen anderen Arbeitsbedingungen ist ein Erfolg der ver.di-Mitglieder. Dieser Erfolg kann nur verteidigt werden, wenn die Beschäftigten der Druckindustrie und der Zeitungsverlage durch ihre ver.di-Mitgliedschaft den Arbeitgebern zeigen, dass sie bereit sind, ihre Tarifrechte auch zu verteidigen. Noch 606 Tage besteht für Nichtmitglieder die Möglichkeit, der Solidargemeinschaft der Gewerkschaftsmitglieder beizutreten und sich so die Rechte des Manteltarifvertrages auch über den 30. April hinaus zu sichern – und für den Fall, dass der Arbeitgeber Tarifflucht begeht. https://mitgliedwerden.verdi.de .

BETRIEBSNACHRICHTEN – FINK UND KÖRNER INSOLVENT

Mitte Juli wurde bekannt, dass mehrere Krankenkassen Insolvenzantrag gegen die Firma J. Fink Druckerei GmbH in Ostfildern gestellt haben. Das zuständige Amtsgericht Esslingen eröffnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren und bestellte Rechtsanwalt Dr. Dietmar Haffa zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die J. Fink Druck GmbH gehört dem finnischen Private-Equity-Unternehmen Printers Group Oy (Worterklärung: Private Equity = Privatvermögen). Die Mitarbeiter hatten bereits seit April kaum noch Lohn erhalten und auch das Kurzarbeitergeld wurde in vielen Fällen nicht ausgezahlt. Nachdem mehrere Mitarbeiter deshalb gekündigt hatten, arbeiteten bei Fink zuletzt 50 Beschäftigte.

Auch im Schwesterunternehmen Körner Druck GmbH in Sindelfingen wurden seit April die Löhne nur noch sporadisch bezahlt. Hier erfolgte der Insolvenzantrag Mitte August, ebenfalls gestellt von einer Krankenkasse. Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Holger Blümle. Bei Körner sind 140 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen. Für die Körner-Belegschaft ist dies bereits die zweite Insolvenz innerhalb von nur zwei Jahren.

Die J. Fink Druck GmbH und die Körner Druck GmbH waren im Mai 2019 von der selbst in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen niederländischen Circle Media Group an das finnische Private-Equity-Unternehmen Printers Group Oy verkauft worden.

Weitere Informationen zu Fragen rund um die Insolvenz gibt es zum Herunterladen hier:

1. SEPTEMBER – ANTIKRIEGSTAG

Vor 75 Jahren endete der 2. Weltkrieg mit der Kapitulation der Militärdiktatur des japanischen Kaiserreichs. Wenige Tage zuvor hatten die USA mit Atombomben große Teile der Bevölkerung der Großstädte Hiroshima und Nagasaki getötet. Ein halbes Jahr zuvor hatte die faschistische Nazi-Diktatur Deutschlands kapituliert, die sechs Jahre zuvor den 2. Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen begonnen hatte. Der 1. September ist seither Antikriegstag, der von der Friedensbewegung und den Gewerkschaften unter das Motto „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg“ gestellt wird. Im 75. Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs mahnt der Antikriegstag zur Wachsamkeit gegenüber alten und neuen Nazis, Faschisten, „Reichsbürgern“, und anderen Demokratie- und Friedensfeinden, denen es gelungen ist, die Demonstrationen der Corona-Leugner und Maskenverweigerer zu kapern.